Heute fahren wir zum Nordkap. Laut unserer Guide im Bus haben wir richtig Glück mit dem Wetter... Wieder der uns schon bekannte Spruch: wenn es nicht stürmt, regnet oder neblig ist, ist gutes Wetter🤭
Auf der halbstündigen Fahrt von Honningsvåg, dem Tor zum Nordkap sieht es teils deprimierend aus mit grauen Wolken und Nebel.
Über die Nordkapstraße fahren wir mit 7 Bussen durch eine karge, unvergleichlich beeindruckende Tundra-Landschaft bis zum berühmten Schieferplateau. Schnee liegt nur am Rand, die Straße ist frei. Sonst müssten wir im Konvoi hinter einem Schneepflug herfahren.
Und unser Guide hat Recht, die Luft ist klar und die Sicht gut.
Es gibt sogar etwas blauen Himmel. Nicht nur die Kugel, das Wahrzeichen des Nordkap ist spannend, auch der Blick hinab auf die Klippen ist beeindruckend.
"Wann hat der Touristenrun auf das Nordkap eigentlich angefangen? Dass man das Nordkap als ein eisfreies Kap wahrnehmen konnte, war erst vor etwa 8.000 – 10.000 Jahren möglich, denn in diesem Zeitraum zogen sich die Gletscher zurück. Langsam begannen Menschen der Kosma-Kultur das Land zu besiedeln. Die erste bestätigte Besiedlung kann in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundertsauf der Nordkap-Insel Magerøya nachgewiesen werden. Aus dieser Zeit stammt ein Testament eines Mannes aus dem heutigen Honnigsvåg, der seine Tochter mit seinem gesamten Erbe begünstigt. In dieser Zeit entwickelte sich auch der Handel mit Fisch aus Norwegen mit Mehl aus Russland."
Im Jahr 1553 waren drei englische Schiffe auf einer Expedition zur Entdeckung der Nordostpassage aufgebrochen. Eines der drei Schiffe segelte (die anderen beiden kehrten nie nach England zurück) an einer mächtigen Felsklippe vorbei. Der Bordkartograf soll auf der Seekarte North Cape eingetragen haben und so bekam das heutige Nordkap seinen Namen, auch wenn es nicht wirklich der nördlichste Punkt Europas ist.
"Die wahrscheinlich erste Abbildung des Nordkap findet sich in einem Kupferstich aus dem Jahr 1594. Der Niederländer Jan Huygen von Linschoten gehörte zu den Niederländern, die nach den Basken zum Walfang in diese Region kamen und eine der Stationen aufbauten. Nachdem es immer mehr Walfänger an die Nordspitze Europas zog, verbot die damals dänisch-norwegische Regierung den Walfang für Länder, die über keine entsprechende Lizenz verfügten. "
Der erste Tourist soll der aus dem italienischen Ravenna stammende Priester Francesco Negri gewesen sein, der im Jahr 1664 zum Nordkap reiste. Er benötigte dafür drei Jahre. Seine Aufgabe war es, die Lebens- und Überlebensmöglichkeiten der Menschen im kargen Norden zu erforschen. Er reiste alleine und legte seine Erkenntnisse schriftlich nieder und beschrieb das Bergplateau als das Ende der Welt.Es vergingen fast zwei weitere Jahrhunderte, bis der Ort als Tourismusziel populär wurde.
In 1873 stattete der schwedisch-norwegische König Oskar II. der Klippe einen Besuch ab. Damals mussten noch alle die Klippen hochkraxeln. Knapp zwei Jahre später organisierte im Jahr 1875 das Tourismusunternehmen Thomas Cook die ersten Gruppenreisen aus London. Der endgültige Durchbruch als Tourismusziel gelang 1893 mit der festen Schiffsverbindung durch die Hurtigruten.
In1907 gab es ein besonderes Ereignis. Der König Chulalongkorn von Thailand mit seinem Gefolge besuchte das Nordkap. Dieses Ereignis wurde in einen großen Stein geritzt, den man in der Nordkap Halle noch sehen kann.
Zur Erinnerung an dieses Ereignis gibt es auch noch ein kleines Thai Museum.Im Jahr 1978 wurde dann die Plastik der Weltkugel enthüllt.
"Die Nordkapphalle wurde 1959 gebaut und 1988 stark erweitert. Da man die umliegende Natur nicht so stark beeinträchtigen wollte, entschied man sich einen Großteil des Gebäudes unterirdisch anzulegen. Der unterirdische Teil umfasst heute unter anderem eine Grotte, ein Kino sowie den Sanitärbereich und die wunderschöne Johanneskapelle. "
" Jedes Jahr wird am Nordkap der Preis „Kinder der Erde“ verliehen. Der mit NOK 150.000 dotierte Preis wird an eine Person oder ein Projekt vergeben, die bzw. das sich im Laufe der Zeit irgendwo auf der Welt für Kinder in Not eingesetzt hat. Das Nordkap bietet nicht nur einzigartige Naturerlebnisse. Außerhalb der Nordkaphalle stehen sieben große Bronzereliefs . Diese Kunstwerke bilden den Ausgangspunkt für das internationale humanitäre Projekt „Kinder der Erde“. Das Denkmal wurde von sieben Kindern aus allen Teilen der Welt geschaffen und symbolisiert Zusammenarbeit, Freundschaft, Hoffnung und Freude über alle Grenzen hinweg. Der norwegische Schriftsteller Simon Flem Devold brachte 1987 die Idee auf, dass das Nordkap, die hoch aufragende Klippe weit im Norden und am Schnittpunkt von Ost und West, zum Ausgangspunkt für ein Projekt mit positiven Auswirkungen weit über Norwegens Grenzen hinaus werden könnte.
Um 13 Uhr sind wir wieder zurück in Honningsvåg. Die Stadt hat nur ca. 2500 Einwohner und ist nach heutiger Vorgabe gar keine Stadt sondern ein Dorf, denn dafür müsste sie über 5000 Einwohner haben. Es wird bereits dämmrig, Sonnenuntergang ist um 13Uhr 30.
Auf dem Weg zum Schiff kommen wir an trocknenden Fischköpfen vorbei
Bamse, der Schiffshund und Kriegsheld hat 2 Menschen gerettet. Er ist in Schottland gestorben und hat dort das gleiche Denkmal. Dort schaut Bamse Richtung Honningsvåg und hier schaut er Richtung Schottland. Die ganze Geschichte lest ihr unter dem Link.
















Sehr eindrucksvoll recherchiert !
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